Hauptinhalt dieser Seite

Sprungmarken zu den verschiedenen Informationsbereichen der Seite:

Sie befinden sich hier: Presse. News. 2012. Juli.

Rodust: Lebensmittelverschwendung nicht weiter hinnehmen

Rodust: Lebensmittelverschwendung nicht weiter hinnehmen

Ulrike Rodust, Abgeordnete im Europäischen Parlament, erklärt im Interview mit SAVE FOOD, was auf europäischer Ebene gegen Lebensmittelverschwendung getan wird. Mehr Sensibilisierung für das Thema, aber auch konkrete Maßnahmen wie bessere Verpackungen und differenzierte Datumsangaben auf Lebensmitteln hält Rodust für wichtige erste Schritte. Die Politik müsse dafür sorgen, „dass das Wegwerfen von Nahrung nicht billiger ist als die Weiterverwertung. Es geht darum, die Wertschätzung von Lebensmitteln wieder zu stärken.“

SAVE FOOD: Lebensmittelverschwendung ist in vielen europäischen Ländern inzwischen im Fokus politischer Debatten. Wie wird das Thema auf europäischer Ebene diskutiert?

Rodust: Auf europäischer Ebene wurde das Thema Lebensmittelverschwendung durch einen Initiativbericht des Europäischen Parlamentes aufgegriffen. Wir Parlamentarier fordern darin, die Verschwendung von Lebensmitteln zu reduzieren. Konkret sprechen wir uns dafür aus, dass bis 2025 Maßnahmen ergriffen werden müssen, die die Lebensmittelverschwendung um die Hälfte reduzieren sollen. Mit großer Mehrheit wurde dieser Initiativbericht, der von Salvatore Caronna, einem unserer italienischen Fraktionskollegen, verfasst wurde, Anfang Januar im Plenum angenommen. Dabei ging es vor allem darum, in einem ersten Schritt Bewusstsein für dieses wichtige Thema zu schaffen, indem auf die Verschwendung von Lebensmitteln hingewiesen wird. Außerdem werden Lösungen angeboten, wie die Verschwendung vermieden werden kann. Der Bericht fordert eine gemeinsame Strategie auf europäischer und nationaler Ebene zu entwickeln, um die Effizienz in der gesamten Lebensmittelkette zu erhöhen. Wenn wir uns vor Augen halten, dass jährlich innerhalb der EU 89 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen werden, auf der anderen Seite große Teile der Weltbevölkerung hungern oder unterversorgt sind, dann ist das ein skandalöser Zustand, der nicht weiter hingenommen werden darf. Die Europäische Kommission hat im Oktober 2010 bereits eine Studie zum Thema Lebensmittelverschwendung in Auftrag gegeben, die als Grundlage für den Bericht des Parlamentes gedient hat. Das Thema wird von europäischer Seite mit großer Sorge beobachtet – aus ethischen Gründen, aber auch wegen der erheblichen ökologischen Folgen. Allein durch die Überproduktion in der Europäischen Union fallen jährlich zusätzlich 170 Millionen Tonnen CO2 und erhebliche Mengen des Treibhausgases Methan an.

Wo müssen Maßnahmen gegen Lebensmittelverschwendung in Europa ansetzen – bei den Verbrauchern, bei der Wirtschaft, bei der Landwirtschaft?

Die Verschwendung von Lebensmitteln kann nur reduziert werden, wenn alle an der Wertschöpfungskette Beteiligten ihren Beitrag leisten. Daher müssen Maßnahmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette ansetzen, von der Erzeugung über die Lebensmittellagerung und -verarbeitung bis hin zu Handel, Transport und Verbrauchern. Wie bereits gesagt: Es ist sinnvoll, europäische und nationale Strategien zu erarbeiten, um erfolgreich gegen die Verschwendung von Nahrungsmitteln vorzugehen. Fast die Hälfte aller essbaren Lebensmittel in Haushalten, Supermärkten, Restaurants landen im Müll, während 79 Millionen EU-Bürger unter der Armutsgrenze leben und 16 Millionen Menschen von Lebensmittelhilfe abhängig sind.

Wie lässt sich das ändern?

Hilfreich ist mit Sicherheit, dass dieses Thema zunehmend Aufmerksamkeit erhält, so dass zunächst einmal Denkprozesse bei allen Beteiligten angestoßen werden. Wichtig ist die Sensibilisierung für das Thema und darauf hinzuwirken, dass den Menschen bewusst wird, dass sie mit jedem weggeworfenen Stück Nahrung gleichzeitig weitere wertvolle Ressourcen verschwenden. Denn zur Herstellung und für den Transport werden Ressourcen wie beispielsweise Wasser und Energie verwendet, außerdem werden Treibhausgase erzeugt, die den Klimawandel vorantreiben. Weggeworfene Nahrungsmittel haben damit erhebliche ökologische Auswirkungen, die wir nicht unterschätzen sollten. Wenn wir uns vor Augen führen, dass ein zu großer Teil der immer noch rasant wachsenden Weltbevölkerung Hunger leidet, ist dies natürlich eine gewichtige ethische Frage, die wir alle – Handel und Erzeuger, Verbraucher und Politiker – uns stellen müssen.
Um das Thema stärker im Bewusstsein der Verbraucherinnen und Verbraucher zu verankern, kann es sicher nützlich sein, das Jahr 2013 – wie vom Europäischen Parlament vorgeschlagen – zum „Europäischen Jahr gegen Lebensmittelverschwendung“ zu erklären. In seinem Entschließungsantrag geht das Europäische Parlament davon aus, dass die Menge der Lebensmittel, die im Müll landen, um mindestens 50 Prozent verringert werden könnte. Zum Beispiel durch entsprechende Kampagnen zur Sensibilisierung und Ernährungserziehung, bessere Verpackungen und die zusätzliche Angabe eines Verkaufsdatums. Durch politische Rahmenbedingungen muss dafür gesorgt werden, dass das Wegwerfen von Nahrung nicht billiger ist als die Weiterverwertung. Es geht darum, die Wertschätzung von Lebensmitteln wieder zu stärken.

Welchen Beitrag können die EU-Staaten leisten, um weltweit für mehr Versorgungs- und Ernährungssicherheit zu sorgen?

Die EU leistet bereits heute einen wichtigen Beitrag zur weltweiten Versorgungs- und Ernährungssicherheit. Die Gemeinsame Agrarpolitik der EU wurde vor 50 Jahren mit dem Ziel ins Leben gerufen eine ausreichende Versorgung mit Nahrungsmitteln in Europa sicher zu stellen. Heute sorgt sie dafür, dass die europäischen Landwirte gesunde und qualitativ hochwertige Lebensmittel nach hohen Standards produzieren. Trotzdem gibt es innerhalb der EU Menschen, die unterernährt sind und nicht jeden Tag genügend zum Essen haben. In anderen Teilen der Welt ist dieses Bild noch erschreckender. Wenn man dem gegenüber die 179 Kilogramm Lebensmittel pro Kopf stellt, die jährlich in der EU an Nahrungsmitteln weggeschmissen werden, dann ist dieses erschreckend. Es zeigt sich deutlich, dass hier ein Ungleichgewicht herrscht. Wichtig erscheint es mir vor diesem Hintergrund, dass wir den Menschen vernünftige Ausgangsbedingungen schaffen, damit sie in der Lage sind sich selbst zu versorgen. Dafür gehört für mich vorrangig ein vernünftiges Sozial- und Bildungssystem. Denn den Menschen ist nicht damit geholfen, dass in der EU weniger Lebensmittel weggeschmissen werden, sondern vielmehr indem wir ihnen ermöglichen, sich selbst zu helfen und für ihre eigene Ernährungssicherheit zu sorgen. Innerhalb der EU-Politik müssen wir dafür Sorge tragen, dass die Förderung unserer Nahrungsmittelproduktion keine negativen Effekte auf die Erzeugung von Drittländern hat.

--
Ulrike Rodust (SPD), 63, ist seit 2008 Abgeordnete im Europäischen Parlament und Mitglied der sozialdemokratischen Fraktion „Progressive Allianz der Sozialisten und Demokraten im Europäischen Parlament“ (S&D). Sie ist in den Ausschüssen für Fischerei sowie für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung aktiv. Außerdem ist sie Koordinatorin der S&D-Fraktion im Fischereiausschuss des Europäischen Parlaments.


 
 

Mehr Informationen

Unsere Partner

FAO

FAO

Food and Agriculture Organization of the United Nations

fao.org
UNEP

UNEP

United Nations Environment Programme

unep.org
Messe Düsseldorf

Messe Düsseldorf

Messe Düsseldorf - eine der weltweit führenden Export-Plattformen.

messe-duesseldorf.com
Messe Düsseldorf

Messe Düsseldorf

Die globale Leitmesse für die Verpackungsindustrie

interpack.com

Pressereferat interpack 2017

presserefarat