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Sie befinden sich hier: Presse. News. 2012. Juli.

Afrika: Probleme vor Ort identifizieren und lösen

Afrika: Probleme vor Ort identifizieren und lösen

Schon kleine Schritte gegen Nahrungsmittelverluste können in der Lebensmittelkette afrikanischer Staaten eine große Wirkung entfalten, meint Marc Zander, CEO von XCOM Africa. Seine Firma berät Unternehmen, die sich geschäftlich in Afrika engagieren wollen. Im Kampf gegen Lebensmittelverluste ist westliches Know-how besonders wertvoll, so Zander. Wichtig sei es deshalb, die tatsächlichen Probleme vor Ort zu identifizieren, um passgenaue Lösungen anbieten zu können. „Waren werden schlecht gelagert, schlecht verpackt, zu spät verarbeitet oder unzulänglich transportiert“, erklärt der Afrika-Kenner in unserem Interview. „Westliche Firmen können da auch im Kleinen ganz konkrete Unterstützung bieten.“

SAVE FOOD: Wenn wir an boomende Weltregionen denken, denken wir an Asien, vielleicht noch an Südamerika, weniger an Afrika. Wie sieht es mit Wirtschaftswachstum in Afrika aus? Gibt es Wachstum – und wenn ja, in welchen Bereichen?
Zander: Richtig ist, dass beispielsweise in Deutschland immer noch viele der exportierenden Mittelständler sehr stark Asien in den Fokus nehmen. Inzwischen können wir aber auch in Afrika ein deutliches Wirtschaftswachstum sehen, das natürlich noch von einer sehr kleinen Basis kommt. Südlich der Sahara kommen die afrikanischen Staaten im Schnitt immerhin auf ein Wachstum von fünf bis sechs Prozent. Wir sehen aber auch Wachstumsgrößen, die in Ländern wie Ghana bis zu zwölf Prozent erreichen können.

Woher kommt die Wirtschaftskraft in Afrika?
Wachstum ist in Afrika immer noch stark getrieben durch den Rohstoffabbau. Aber es gibt auch ganz klare Indikatoren dafür, dass andere Wirtschaftsbereiche im Kommen sind. Das ist zum einen der Bankingbereich. Das ist ganz klar auch der Telekommunikationsbereich. Und das ist nicht zuletzt der Landwirtschaftsbereich. Ein Beispiel, um die Wachstumsraten in Afrika zu verdeutlichen: In Nigeria werden momentan allein bei der Guaranty Trust Bank täglich über 6000 neue Privatkonten eröffnet. Ein anderes Beispiel: 2002 gab es in ganz Afrika 70.000 Handys – heute sind es 400 Millionen.

Warum kommt der Aufschwung jetzt nach Afrika?
Das hat verschiedene Gründe. In vielen Ländern haben sich kriegerische Konflikte deutlich reduziert. Hinzu kommen wachsende politische Stabilität, Reformen und erste Schritte im Kampf gegen Korruption. Gefördert wird der Aufschwung natürlich auch durch eine bessere Infrastruktur und besseren Zugang zum Internet.

In welchen afrikanischen Staaten sind diese Entwicklungen am deutlichsten spürbar? Gibt es eine Gruppe von Staaten, die in diesen Bereichen am besten vorankommt?
Wir machen immer wieder die Erfahrung: Das ist in den 54 afrikanischen Staaten komplett unterschiedlich. Wer Afrika als eine Einheit, als ein Land sieht, ist auf dem falschen Weg. Wenn wir Länderanalysen machen, sehen wir immer wieder, dass es ganz deutliche Unterschiede gibt. Trotzdem gibt es natürlich positive Beispiele. Botswana etwa liegt beim Anti-Korruptionsindex von Transparency International von rund 180 Staaten als bestes afrikanisches Land auf Rang 32 – noch vor vielen europäischen Staaten oder Industrienationen wie Südkorea. Und auch beim Doing-Business-Ranking der Weltbank ist Botswana vorne mit dabei. Allerdings ist Botswana mit knapp über zwei Millionen Einwohnern auch keine besonders große Volkswirtschaft. Ein anderes Vorzeigeland, gerade für Ostafrika, ist Ruanda, das sich erst 1994 von einem schrecklichen Bürgerkrieg befreit hat. Ruanda hat ein sehr starkes Wachstum, eine sehr hohe Produktivität. Einen Stromzugang hat man hier nach durchschnittlich 30 Tagen. Zum Vergleich: In Nigeria braucht man dafür 260 Tage. Aber Vorzeigeländer wie Botswana und Ruanda muss man immer separat betrachten. Nigeria ist vielleicht kein Vorzeigeland in puncto Reformen oder Bürokratieabbau, aber eben eine Marktwirtschaft mit 160 Millionen potenziellen Konsumenten. Und im Jahr 2050 werden es 230 Millionen sein – mit entsprechend wachsender Mittelschicht und wachsenden Einkommen.

Welche Rolle spielt die Landwirtschaft innerhalb der afrikanischen Wirtschaft?
Die Landwirtschaft spielt eine große Rolle. Aber wenn man sich mit der afrikanischen Landwirtschaft beschäftigt, zeigen sich anfänglich erschreckende Daten. Man sollte das Bild nicht zu positiv malen. Es gab Zeiten, in denen viele afrikanische Staaten noch Selbstversorgerländer waren, heute sind die Lebensmittelimporte teilweise sehr hoch. In Afrika selbst wächst aber auch das Verständnis, dass in diesem Bereich etwas getan werden muss. Nigeria beispielsweise hat ganz konkrete Programme mit dem Ziel aufgesetzt, Reformen und Innovationen im Landwirtschaftsbereich auf den Weg zu bringen. Generell gilt natürlich: Einige Länder in Afrika eignen sich wegen der klimatischen Bedingungen besser für eine erfolgreiche Landwirtschaft als andere. Auch hier gibt es Vorzeigeländer. Ghana hat in den vergangenen Jahren viel im Agriculture-Bereich getan, man arbeitet dort inzwischen mit sehr modernen Methoden. Denn in Afrika lässt sich mit wenig Aufwand noch viel bewirken. In Ghana gibt es beispielsweise Projekte, bei denen Bauern per SMS über die aktuellen Weltmarktpreise informiert werden, um bei Verkaufsverhandlungen fairere und bessere Preise erzielen zu können. Viele wüssten sonst gar nicht, was ihre Waren wert sind. In anderen Ländern gibt es sehr positive Erfahrungen mit Microfinance, also Mikrokrediten, im Landwirtschaftsbereich – zum Beispiel in Kenia, Uganda oder Tansania.

Wie sieht die Versorgungs- und Ernährungssituation in Afrika aus? Kann die afrikanische Landwirtschaft die eigene Bevölkerung versorgen?
Wie gesagt: Es wird immer noch sehr viel importiert – in einigen Ländern 50 bis 60 Prozent der Lebensmittel.

Woran liegt das?
Das liegt zum einen daran, dass bei vielen Lebensmitteln die Importkosten unter den Kosten liegen, die die Produktion im eigenen Land ausmachen würde. Die in vielen afrikanischen Ländern gern verwendete Kassava-Wurzel ist relativ leicht verderblich und muss deshalb schnell verarbeitet werden. Die Kosten der Weiterverarbeitung in Afrika sind aber sieben Mal so hoch, wie die Importkosten fertiger Kassava-Produkte aus Thailand. Dass die lokale Produktion immer noch so teuer ist, hat verschiedene Gründe. Es hat aber viel damit zu tun, dass in Afrika die Economies of Scale, also betriebswirtschaftliche Skaleneffekte, noch nicht ausgenutzt werden. Für die Landwirtschaft heißt das konkret: Man schafft es noch nicht, ausreichende große Landflächen so professionell zu bewirtschaften, dass man mit konkurrenzfähigen Preisen die entsprechenden Umsätze erwirtschaften kann.

Weitere Probleme im Lebensmittelbereich?
Das Ganze hat natürlich auch etwas mit Logistik zu tun. Die Infrastruktur ist in vielen Ländern Afrikas leider immer noch unterentwickelt. Teilweise gibt es gar keine Möglichkeit, Lebensmittel über weitere Strecken zu transportieren – teilweise dauert es sehr lange. Während wir in westlichen Ländern über Lebensmittelverschwendung reden, geht es in Afrika eher um Lebensmittelverluste. Die Produkte kommen wegen Infrastruktur- und Logistikproblemen oder wegen unzureichender und fehlender Verpackungen erst gar nicht bei den Menschen an.

Wie kann man diese Probleme lösen? Gibt es erste Ansätze im Kampf gegen Lebensmittelverluste?
Die gibt es. Die grundlegende Frage für Afrika ist aber immer: Wie groß müssen diese Lösungen sein? Oder anders gefragt: Hilft vielleicht auch schon die kleine Lösung statt des Großprojekts? Natürlich würde der Bau einer Schnellstraße zwischen Ghana und Nigeria helfen, den Lebensmittelhandel zwischen den beiden Ländern zu fördern. Die Weltbank finanziert solche Projekte und auch die Chinesen nehmen Milliardenkredite in die Hand. Großprojekte sind in Afrika momentan aber noch wesentlich schwieriger umzusetzen als kleinere Lösungen. Ich glaube, dass es wesentlich sinnvoller ist, kleine Projekte umzusetzen, mit denen man schnell Gewinne für die Menschen vor Ort erzielen kann. Von diesen kleinen Projekten ausgehend kann man dann weitere Maßnahmen planen. Wir sprechen da zum Beispiel von einfachen Verpackungslösungen, von Kühllösungen, wir sprechen vom Aufbau eines weiterverarbeitenden Gewerbes vor Ort.

Ein Beispiel für solche Lösungsansätze?
Ich bin überzeugt, dass man mit einer Investition von nur zwei Millionen Dollar in die Weiterverarbeitung der Kassava-Wurzel in der Lebensmittelkette eines Landes wie Nigeria sehr viel erreichen könnte. Wenn deutsche Firmen beispielsweise Maschinen liefern, mit denen Wurzeln wie Kassava oder Yam zu einem Pulver verarbeitet werden können, das sich gut lagern und transportieren lässt – dann wäre das aus meiner Sicht ein sehr guter Ansatz. Ein anderes Beispiel ist die Mangoproduktion in vielen afrikanischen Ländern. Die Mangos werden oft weder richtig gelagert und verpackt noch weiterverarbeitet. Auch da gäbe es viele einfache Ansatzpunkte. Noch ein Beispiel: Im Norden Nigerias wird viel Viehzucht betrieben. Das Fleisch steht dem Süden des Landes aber praktisch nicht zur Verfügung, weil es den Transport nicht überstehen würde. Gleiches gilt umgekehrt für den im Süden des Landes gefangenen Fisch. Hier könnten schon einfachste Verpackungslösungen auf Märkten oder Kühllösungen beim Transport helfen.

Das sind Lösungen, die westliche Firmen anbieten könnten. Haben Unternehmen aus den Industrieländern zu viel Scheu vor Investitionen in Afrika? Und ist diese Scheu berechtigt?
Diese Scheu gibt es. Und natürlich ist sie zum Teil berechtigt. Man darf die Augen sicherlich nicht davor verschließen, dass Geschäfte in Afrika immer noch schwierig sind. Aber nicht schwieriger als in vielen anderen Ländern, nicht schwieriger als in Asien. Deshalb sollten Unternehmen davor nicht zurückschrecken. Die Probleme in Afrika sind nicht größer als beispielsweise in Asien – es sind nur andere.

Die Probleme mit Lebensmittelverlusten sind aber immer noch erheblich. Was tun?
Wie gesagt: Waren werden schlecht gelagert, schlecht verpackt, zu spät verarbeitet oder unzulänglich transportiert. Westliche Firmen können da auch im Kleinen ganz konkrete Unterstützung bieten. Es muss nicht unbedingt darum gehen, eine komplette Verpackungsmaschine, wie sie etwa für den europäischen Markt produziert wird, eins zu eins nach Afrika zu liefern. Ziel muss vielmehr sein, Probleme vor Ort zu identifizieren und Lösungen aus Deutschland und anderen Industrieländern an die afrikanischen Gegebenheiten anzupassen. Das ist ein Ziel, bei dem die Initiative SAVE FOOD und die Arbeit von XCOM Africa sich ideal ergänzen können. Und das ist es auch, woran wir mitarbeiten wollen und wobei wir helfen können. Wir können vor Ort in Afrika die Ärmel hochkrempeln, schauen, wo die Probleme mit Lebensmittelverlusten am größten sind, und dann hiesigen Unternehmen konkret sagen, wo ihr Know-how sinnvoll eingesetzt werden kann.

Ob im Lebensmittelbereich oder anderen Branchen – wie können westliche Firmen den Sprung nach Afrika schaffen?
Westliche Firmen, vor allem aus dem Mittelstand, sollten sich die Möglichkeiten auf jeden Fall einmal vor Ort ansehen und dort die richtigen Partner auswählen. Wer die richtigen Partner vor Ort hat, kann kulturelle Barrieren, die es unbestritten gibt, sehr schnell überwinden. Und für deutsche Firmen gibt es einen weiteren Vorteil: Afrikaner vertrauen den Deutschen sehr. Produkte „Made in Germany“ sind absolut gefragt. Viele afrikanische Geschäftspartner vertrauen den Deutschen sogar so sehr, dass sie häufig bereit sind einhundert Prozent Anzahlung zu leisten. Die Deutschen genießen in Afrika eine sehr gute Reputation – und es gibt jede Menge Absatzchancen. Die Zeitschrift The Economist hat jüngst eine Umfrage zum Thema „Was braucht Afrika?“ veröffentlicht. Ganz oben auf der Liste standen Maschinen und Werkzeuge: die Kernprodukte des deutschen Mittelstands.

Wie schlagen sich die westlichen Unternehmen, die bereits in Afrika aktiv sind?
Leider fehlt vielen, gerade dem Mittelstand, ein Gesamtkonzept für ihr Engagement. Sie liefern eine Maschine, können aber oft nicht die Strukturen für Schulung, Wartung, Reparatur und andere Services anbieten. Genau da setzen wir als XCOM Africa an, wenn wir unsere Kunden zu ihren Unternehmungen in Afrika beraten. Wir betreuen die Projekte unserer Kunden in Afrika und entwickeln mit unseren Kunden Servicekonzepte. Uns ist es sehr wichtig, dass unsere Kunden ihren afrikanischen Geschäftspartnern ein Gesamtkonzept anbieten können.

Wie hilft XCOM Africa solchen Unternehmen, sich in Afrika zu engagieren?
Wir können für unsere Kunden vorab Länderanalysen für den gesamten Kontinent durchführen. Was dabei besonders wertvoll ist: Es sind Informationen, die vor Ort recherchiert sind. Die bekommt man nicht im Internet. Wenn wir bei unseren Analysen einen potenziellen Markt für ein Unternehmen in Afrika gefunden haben, machen wir unseren Kunden das Angebot: Wir fahren gemeinsam mit euch hin und machen euch vor Ort mit dem Land und den Marktbedingungen vertraut. Unser Angebot umfasst also die Analyse der Märkte, die Entwicklung von Strategien und Anpassungskonzepte für den afrikanischen Markt – aber auch die Implementierung der Strategien vor Ort. Wir begeben uns gemeinsam mit den Kunden vor Ort, erklären die Märkte und stellen Kontakte zu möglichen Partnern her: ob Partner für die IT, Vertriebspartner oder Endkunden. Und wir können auch nach dem erfolgreichen Markteinstieg das Projektmanagement und das Handling der Afrikageschäfte anbieten – von der Partner- und Kundenkommunikation über weitere Akquisen bis zur Logistik- und Finanzabwicklung.

Sie bieten also die Allround-Dienstleistung von der Analyse bis zur Implementierung an.
Absolut. Ich glaube, viele unterschätzen den Wert einer guten Analyse. Die Analyse ist deshalb immer Teil unseres Angebots – selbst, wenn wir allein damit kein Geld verdienen. Wir sind überzeugt, dass Unternehmen bei einem Engagement in Afrika verstehen müssen, mit wem sie es zu tun haben und welche Potenziale es überhaupt gibt. Wir hoffen natürlich, dass einer guten Analyse die Entscheidung folgt, in den afrikanischen Markt einzusteigen. Denn die Analyse ist zwar ungemein wichtig, aber der wahre Mehrwert unserer Arbeit entsteht natürlich erst, wenn wir tatsächlich mit den Kunden vor Ort gehen.

Welcher Mehrwert ist das?
Unternehmen können natürlich auch selbst auf die Suche nach potenziellen Geschäfts- und Handelspartnern in Afrika gehen. Aber in der Regel ist es mit fehlender Erfahrung für Menschen und Märkte sehr aufwendig, seriöse von unseriösen Kontakten zu unterscheiden. Da setzt unser Konzept an: Zeitaufwand reduzieren, Kosten reduzieren und vor allem Risiko reduzieren.

Stellen Sie fest, dass sich mehr westliche Unternehmen nach Afrika orientieren?
In Europa sorgt die Eurokrise auf jeden Fall dafür, dass viele Firmen über den Tellerrand blicken und sich fragen, was es für weitere Märkte geben könnte. China und Asien sind als Markt erkannt, teilweise auch erschlossen. Aber die Erfahrungen, die Unternehmen aus China oder Indien mitbringen, sind nicht immer durchweg positiv. Die Margen werden kleiner, die Konkurrenz größer. Auch das lenkt den Blick auf Märkte wie Afrika, die vielleicht zunächst als Nischenmärkte erscheinen – in denen westliche Firmen mit ihren Produkten aber teilweise noch ganz ohne Konkurrenz agieren können.


Website von XCOM Africa
 
 

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