Vita – Prajal Pradhan

Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

Prajal Pradhan ist Forscher am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Sein wissenschaftlicher Schwerpunkt liegt auf Lebensmitteln und Ernährungssicherheit, nachhaltiger Landwirtschaft, Lebensmittel-Systemanalyse, regionalen und städtischen Lebensmittelsystemen, nachhaltigem Übergang, Ökosystem-Dienstleistungen, Klimawandelfolgen, und Anpassung an den Klimawandel. Prajal machte seinen BE in Agrartechnik an der Universität Tribhuwan (2006), einen Masterabschluss in Umweltmanagement an der Universität Kiel (2009) und promovierte 2015 in Geo-Ökologie an der Universität Potsdam. Seine wissenschaftlichen Veröffentlichungen umfassen u.a. Studien zu typischen Ernährungsmustern und –umstellung, Treibhausgas-Emissionen aufgrund anderer Ernährung, Lebensmittelabfall und seine Umweltfolgen, Nährstoffpotential regionaler und lokaler Lebensmittel. Seiner Meinung nach lässt sich die Herausforderung, eine wachsenden Bevölkerung zu ernähren und einer nachhaltigen Umwelt durch einen Systemansatz lösen, der Lebensmittelproduktions- und Verbrauchsaspekte berücksichtigt.

 

Fünf Fragen an Prajal Pradhan

1. Welcher Aspekt des Problems der Lebensmittelverschwendung hat für Sie die größte Relevanz?

Derzeit leben 800 Millionen Menschen im Zustand von Hunger und Mangelernährung, und gleichzeitig werden mehr als 20 % der auf dem Weltmarkt verfügbaren Lebensmittel verschwendet. Wenn wir Lebensmittel wegwerfen, verschwenden wir nicht nur Kalorien und Nährstoffe, die potenziell andere ernähren könnten, sondern wir verschwenden auch die zu ihrer Erzeugung eingesetzten Ressourcen und verursachen unnötig zusätzliche Umweltbelastungen (zum Beispiel Treibhausgasemissionen), die man durch Lebensmitteleinsparung vermeiden kann. Meiner Meinung nach sind dies die Aspekte des Lebensmittelverschwendungsproblems, die die größte Relevanz haben.

2. Was ist Ihrer Meinung nach der beste Weg, in diesem Bereich Verbesserungen zu erreichen?

Ich glaube nicht, dass es eine einzige Lösung für dieses Problem gibt, sondern man muss auf diversen Ebenen Maßnahmen ergreifen, wobei man mit dem/der Einzelnen beginnen und auf Landes- und Weltebene weitermachen muss, um dieses Problem anzugehen. Die Veränderung des Verbraucherverhaltens im Hinblick auf weniger Lebensmittelverschwendung wird eine entscheidende Rolle spielen, um in diesem Bereich Verbesserungen zu erreichen, und zwar in erster Linie in Industrieländern wie Deutschland.

3. Sehen Sie schon eine positive Entwicklung in diesem Bereich?

Ja, wir sehen einige positive Entwicklungen zur Verminderung von Lebensmittelverschwendung auf verschiedenen Ebenen. Auf lokaler Ebene können wir Initiativen wie Lebensmittelverteilsysteme sehen, die in Deutschland Lebensmittel aus Supermärkten, die sonst weggeworfen würden, an Bedürftige verteilen. Auf nationaler Ebene hat Frankreich seit vergangenem Jahr die Lebensmittelverschwendung in Supermärkten verboten. Unter den nachhaltigen Entwicklungszielen gibt es ein Ziel, Nr. 12.3, das auf Weltebene bis 2030 eine Halbierung der Lebensmittelverschwendung pro Kopf vorsieht.

4. Welche Maßnahmen von Institutionen würden Sie in Zukunft gerne sehen?

Ich glaube, dass das Verbraucherbewusstsein sehr wichtig ist, um das Lebensmittelverschwendungsproblem anzugehen. Deshalb würde ich Maßnahmen von Institutionen begrüßen, die zur Verbesserung des Verbraucherbewusstseins beitragen und eine Verhaltensänderung der Verbraucher fördern, damit sie weniger oder keine Lebensmittel verschwenden.

5. Welche Rolle spielt Ihrer Meinung nach die Initiative SAVE FOOD bei der Bekämp-fung von Nahrungsmittelverlusten und Lebensmittelverschwendung?

Die Arbeit der SAVE-FOOD-Initiative spielt eine wichtige Rolle zur Bekämpfung von Nahrungsmittelverlusten und Lebensmittelverschwendung, weil sie das Bewusstsein dafür schafft und Plattformen bietet, um die Probleme von Nahrungsmittelverlusten und Lebensmittelverschwendung zu diskutieren. Das ist entscheidend, weil solche Diskussionen dazu beitragen, das Bewusstsein zu entwickeln und Grundlagen für konkrete Maßnahmen zu schaffen.