Welche Verpackungen schützen Erdbeeren am besten vor äußeren Einflüssen. Bild: Hícaro de Castro
Lebensmittelverluste reduzieren: Was Verpackung bei Erdbeeren und Spargel bewirkt
Erdbeeren, die nicht schlappmachen. Spargel, der nicht verholzt. Was nach einem Wunschtraum für den Frischehandel klingt, ist das Ergebnis einer praxisnahen Haltbarkeitsstudie eines interdisziplinären Forschungsteams an der Hochschule Geisenheim. Im Fokus: Wie wirken sich unterschiedliche Verpackungslösungen auf die Qualität und Haltbarkeit empfindlicher Frischprodukte aus?
Studentin Franziska Schulze untersuchte am Institut für Frischproduktlogistik verschiedene Verpackungssysteme auf ihre Wirkung hinsichtlich Frischeerhalt, Qualitätsverlust und Vermarktungsdauer. Bereits die ersten Ergebnisse liefern wertvolle Impulse für die Verpackungsbranche – und zeigen, wie gezielte Materialwahl und Supply-Chain-Management Lebensmittelverluste deutlich reduzieren können.
Lebensmittelforschung & Verpackung: Wie bleibt Spargel länger frisch?
In ihrer Untersuchung wurde Bleichspargel unter realitätsnahen Bedingungen gelagert – mal unverpackt, mal in biologisch abbaubarer Pappe/Cellulosefolie, mal in fossilbasierter Folie, teilweise mit Feuchtigkeitsvlies. Über neun Tage hinweg wurden physikalische, chemische, mikrobiologische und sensorische Parameter analysiert – darunter Textur, Farbe, Zuckergehalt und Gesamtkeimzahl.
Erste Erkenntnis: Im Vergleich zur unverpackten Variante verlängerten beide Verpackungslösungen die Haltbarkeit deutlich. Besonders die Austrocknung und Verholzung des Spargels konnten durch geeignete Verpackung verzögert werden. Schulze zum Ergebnis: „Durch die Verlängerung der Haltbarkeitszeit werden die Vermarktungsfenster verlängert, man hat also ein längeres Verkaufsfenster. Dadurch können Ausschüsse, gerade bei Produkten mit kurzen Haltbarkeitszeiten wie Spargel, signifikant reduziert werden. Das bedeutet, dass wertvolle Ressourcen bei der Produktion, Lagerung und Transport von den Lebensmitteln und Verpackungen geschont werden.
Wie reagieren Erdbeeren auf verschiedene Verpackungslösungen?
Auch bei der Studie mit Erdbeeren zeigte sich, dass Verpackung einen Unterschied macht – das erklärt Marius Martin, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut. Hier wurde deutlich, dass Erdbeeren in PE-Flowpackfolie bei 7 °C Lagerung über zehn Tage insgesamt nur halb so viel Gewicht wie ohne Verpackung verlieren. Die Wahl des Materials ist Martin zufolge dabei entscheidend, jedoch nicht pauschal bewertbar. Faktoren wie Atmungsaktivität, Inhaltsstoffe und Wasseraufnahme des Produkts müssten individuell berücksichtigt werden.
Was heißt das für Produzenten, Handel und Verbraucher?
Beide Untersuchungen zeigen, dass Haltbarkeit das Ergebnis eines fein abgestimmten Zusammenspiels aus Verpackungssystem, Lagerbedingungen und Logistik ist. „Wichtig ist, sich die Supply Chain genau anzuschauen und dann abzugleichen, welchen Schutz und welche Haltbarkeit es für die entsprechende Lieferkette benötigt. Man sollte auf jeden Fall berücksichtigen, wie lange das Produkt unterwegs ist und bei welchen Temperaturen und Luftfeuchtigkeit das Produkt gelagert und transportiert wird“, sagt Martin. Bedeutet: „In Abhängigkeit der Supply Chain können unterschiedliche Verpackungssysteme für dasselbe Produkt infrage kommen. So reicht zum Beispiel für einen Direktvermarkter von Erdbeeren eine Schale ohne Folie, während bei längeren Lieferketten eine komplexere Verpackung benötigt wird.“
Die Forschenden empfehlen Produzenten und Handel für die Zukunft, regelmäßig Lagertests mit unterschiedlichen Verpackungslösungen vorzunehmen – abgestimmt auf die jeweilige Supply Chain der Lebensmittel. Im Rahmen des Projekts PackAn entsteht derzeit übrigens ein Bewertungstool, das die Nachhaltigkeit von Verpackungen in Bezug auf Haltbarkeit und Ausschussmengen analysiert. Ziel ist ein Nachhaltigkeits-Scoring, das auch Verbraucherinnen und Verbrauchern eine optimale Orientierung bietet.